Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen bei Schwindel

Grundsätzlich gilt ein Vertigo weder als gefährlich noch als unheilbar. Am schwierigsten gestaltet sich die Behandlung eines psychogenen Schwindels, weil neben einer Verhaltenstherapie in der Regel auch eine Umstellung des Lebenswandels erfolgen muss, um langfristig schwindelfrei zu sein. Vielen Patienten fällt diese Einsicht besonders schwer.

Vestibuläre Schwindelarten können hingegen auf unterschiedlichste Weisen behandelt und behoben werden.

Medikamentöse Behandlung

TablettenmischungJe nach Art des Schwindels kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein. Zum Einsatz kommen seit geraumer Zeit Antivertiginosa, das sind Medikamente, die das Schwindelgefühl zuverlässig beheben. Die Antivertiginosa gehören meist zur Wirkstoffgruppe der Antihistaminika, die auch bei Heuschnupfen, Schlafstörungen und Übelkeit eingesetzt werden.

Die Behandlung sollte von Fall zu Fall und nach Bedarf erfolgen, nicht jedoch dauerhaft, da sonst Gewöhnungseffekte einsetzen könnten. Einige Schwindelarten, wie etwa die Reisekrankheit, können darüber hinaus durch schrittweise Übung und Gewöhnung behandelt werden. Das regelmäßige Schulen der Reize signalisiert dem Körper Normalität.

Physiotherapeutische Behandlung

Die Physiotherapie erweist sich bei Vertigo als besonders erfolgversprechend. Ziel der Krankengymnastik ist es, korrigierende Bewegungsabläufe zu erlernen und zu verinnerlichen. Hierzu werden im Rahmen der Physiotherapie beabsichtigt Übungen durchgeführt, die den Schwindel und das Schwanken erst einmal auslösen. Daraufhin bekommt der Patient Bewegungsabläufe gezeigt, mit denen er dem wankenden Gefühl gegenwirken kann.

Auf diese Weise lässt sich eine Bewegungsstabilität erreichen. Auch, wenn der Schwindel immer wieder auftreten sollte, fühlen sich Betroffene sicherer, da sich nicht mehr umzufallen drohen. Besonders sinnvoll ist die physiotherapeutische Behandlung auch bei psychogenem Schwindel, da sie dazu beitragen kann, dass ängstliche Patienten Schwindel-Situationen nicht mehr meiden.

Mature Woman having ambulatory therapy

Vestibuläre Reha mit Gleichgewichtstraining

Die vestibuläre Rehabilitation umfasst Maßnahmen zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Gleichgewichtssystems. Dazu gehört unter anderem das Gleichgewichtstraining, das erst einmal darauf abzielt, den Vertigo auszulösen. Im Schwindelzustand kann das Gehirn nämlich am besten lernen, den Schwindel zu korrigieren und fehlerhafte Signale des Gleichgewichtssystems zu kompensieren. Das Training dient also dazu, den Schwindel zu überlisten.

Es sollte zu Beginn unter ärztlicher oder therapeutischer Anleitung erlernt werden, kann aber später auch eigenständig zu Hause durchgeführt werden. Typische Trainingsübungen sind Drehungen im und gegen den Uhrzeigersinn sowie das ruckartige Aufstehen aus dem Sitzen. Das Training sollte drei Mal täglich, also morgens, mittags und abends, für nur wenige Minuten erfolgen.

Blickstabilisation und Blicktransfer

Ebenfalls zur vestibulären Rehabilitation gehören die Blickstabilisation und der Blicktransfer. Bei der Blickstabilisation wird der Kopf langsam im Wechsel nach links, rechts, oben und unten gedreht. Dabei gilt es, den Blick bei auftretenden Schwindelgefühlen auf ein und dasselbe Objekt im Blickfeld zu fixieren. Diese Methode behebt einen Nystagmus und erweist sich als sehr effektiv bei Lagerungsschwindel.

Der Blicktransfer ist dann die nächste Stufe. Hierzu befinden sich zwei Objekte im Gesichtsfeld des Betroffenen, die unter Bewegung und Schwindel nacheinander stabil mit den Augen fixiert werden sollen. Auf diese Weise lassen sich aufkommende Schwindelgefühle durch Gewöhnung beheben.

Semont Manöver

Das Semont Manöver kann sowohl links- als auch rechtsseitig durchgeführt werden. Hierzu neigt der Patient den Kopf leicht auf die linke oder rechte Seite und lässt sich dann auf einer Trainigsmatte plötzlich und ruckartig auf die Seite fallen, auf die der Kopf nicht zeigt. Diese Spontanbewegung löst üblicherweise einen kurzen Schwindel aus, der durchaus gewollt ist.

Der Schwindel dauert in der Regel zehn Sekunden an, während dieser Zeit bleibt der Betroffene in dieser Position liegen, legt jedoch den Kopf nicht ab, sondern hält ihn trotz des Schwindels in Richtung der oben liegenden Schulter. Geht der Schwindel zurück, erfolgt eine Drehung auf die andere Schulter. Nach etwa 20 Sekunden in dieser Position richtet sich der Patient langsam auf. Das Semont Manöver schult ebenfalls die Gehirnsignale und lässt den Schwindel nach und nach verschwinden.

Epley Manöver

Das Epley Manöver gestaltet sich ähnlich wie das Semont Manöver, nur dass der Patient während der gesamten Übung den Kopf um etwa 40 Grad überstreckt halten muss. Die Übung beinhaltet sitzende, stehende, liegende und rollende Elemente, die auch jeweils den Schwindel auslösen. Ziel ist es auch hier, den Schwindel auszuhalten und das Gehirn zu animieren, neue Bewältigungsstrategien zu erlernen.

Hausmittel gegen den Schwindel

Bei akuten Schwindelanfällen helfen zahlreiche Hausmittel. Allesamt zielen sie darauf ab, den Schwindel schnell zu beheben, sie ersetzen jedoch keine ärztliche Kontrolle oder Diagnose.

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Wirkungsvolle Sofortmaßnahmen sind:

  • Hinlegen und die Beine um 90 Grad hochlagern
  • Sehr langsames Aufstehen am Morgen
  • Das Vermeiden ruckartiger Bewegungen
  • Ausreichend trinken
  • Schwarzer Kaffee oder schwarzer Tee mit etwas Zucker hemmen das Schwindelgefühl
  • Melisse als Tee oder Öl reguliert den Kreislauf

Schwindel-Ambulanzen

Schwindel-Ambulanzen, die mittlerweile in sehr vielen Unikliniken bundesweit eingerichtet sind, sind der ideale Ansprechpartner für Patienten mit einem dauerhaften Schwindelleiden. Hier werden sämtliche Untersuchungen unter einem Dach durchgeführt, Anamnesen und Diagnosen erhoben und individuelle Behandlungspläne erstellt. Darüber hinaus arbeiten in den Schwindel-Ambulanzen sowohl medizinische als auch psychotherapeutische Ansprechpartner. Nicht selten finden sich in diesen Ambulanzen auch mehrere Betroffenen zu Selbsthilfegruppen zusammen, in denen Informationen und Tipps ausgetauscht werden können.

Dem Schwindel vorbeugen

Dem Vertigo lässt sich nicht gezielt vorbeugen, da er entweder auf Funktionsstörungen des Gleichgewichtssystems oder auf anderen Grunderkrankungen basiert. Vorbeugen können Sie lediglich bei Schwindel durch Reisekrankheit, nämlich indem Sie sich der Situation langsam und schrittweise immer wieder aussetzen und so einen Gewöhnungseffekt erzielen. Außerdem kann die Behandlung einer Grunderkrankung, etwa die des Bluthochdrucks oder der Migräne, zur Linderung der Schwindelattacken führen. Darüber hinaus empfehlen sich allgemein gesunde Maßnahmen wie eine hohe Flüssigkeitszufuhr, ausreichend Schlaf und Frischluft sowie der Verzicht auf das Rauchen als vorbeugende Maßnahmen.

 

Aktualität:

Stand: 26.08.2013